School of Culture and Design
150 Jahre Gestaltungstradition: Von Musterzeichnen zu Design Innovation
Epoche 1: Die Kunstgewerbeschule (1874–1919)
Die Geschichte dieses Studiengangs beginnt bereits 1874 mit der Königlichen Fachschule für Dekomponieren, Komponieren und Musterzeichnen. Der Name ist Teil unserer noch heutigen DNA: Es ging um das Verstehen von Struktur, Komposition und visueller Ordnung – also um fundamentale Designprinzipien. Aus dieser Schule entwickelte sich die Höhere Webschule Berlin, eine Institution der Kunstgewerbeschul-Tradition Preußens, die 1912 zur Höheren Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie wurde an der nicht nur Kunst, sondern auch Technik, Produktion, Ingenieurwissen gelehrt wurden. Schon dort wurde die Basis dafür gelegt das Gestaltung zwei Dinge braucht – künstlerische Autonomie und technisches Wissen.

Epoche 2: Spezialisierung und Expansion (1919–1994)
Nach dem Zweiten Weltkrieg durchlief die Schule verschiedene Namen und Systeme – Textil- und Modeschule der Stadt Berlin, dann Ingenieurschule für Bekleidungstechnik, später Teil der Ingenieurhochschule Berlin. Was sich nicht änderte: der Fokus auf handwerkliche Exzellenz, Industrienähe und technologische Innovationen.
1994 wurde die gesamte Textil- und Bekleidungstechnik in die neu gegründete HTW Berlin (zunächst FHTW Berlin) integriert, was einen Wendepunkte markierte: Die Schule pluralisierte sich. Neben Modedesign entstanden neue Disziplinen – Kommunikationsdesign, sehr früh kam Gamedesign und danach Industriedesign. Der spezialisierte Fokus auf Textil öffnete sich zu einem breiter verstandenen Fachbereich Gestaltung. Noch heute zeigt sich in deinem Studium diese Synthese – präzises handwerkliches Können gepaart mit technologischem Denken.

Epoche 3: Transformation zur School of Culture and Design (2006–heute)
Der nächste Wendepunkt kam 2006. Der Fachbereich zog nach Oberschöneweide – zum Campus Wilhelminenhof, in sanierte und umgebaute Hallen des ehemaligen Kabelwerks Oberspree (KWO) der AEG.
Dieser Umzug war keine bloße Relokation – es war eine symbolische Neuprogrammierung. Die Schule, die seit 150 Jahren Gestaltung lehrt, zieht an den Ort der Elektropolis, wo Peter Behrens 1917 einen ikonischen Turm gebaut hatte – den Ort, wo industrielle Moderne zu Hause war.
Mit diesem Umzug kam auch eine konzeptionelle Neuausrichtung. Die School of Culture and Design positionierte sich nicht mehr primär als Fachschule für eine einzelne Industrie, sondern als Institution, die Design als kritische, zukunftsorientierte Disziplin versteht. Der Lehrplan erweiterte sich: Neue Medien und Technologien, immersive Environments, Zukunftsforschung, die Integration von Hochtechologie-Systemen in Gestaltung und Kunst, Interdisziplinarität mit Ingenieur*innen und Informatiker*innen, gesellschaftliches Engagement.
Der Studiengang Kommunikationsdesign spielte dabei eine Vorreiter-Rolle. Mit dem Aufstieg digitaler Medien ab den 2000er Jahren wurde klar: Kommunikationsdesign war nicht mehr nur Layout, Typografie und Grafik – es war die Schnittstelle zwischen Gestaltung, Technologie und Gesellschaft. Der Studiengang integrierte Virtual Reality, generative Gestaltung, künstliche Intelligenz, Physical Computing – Technologien, die es 1874 nicht gab, deren Logik aber in den Gründungsprinzipien schon angelegt war.
Du studierst in einer Schule, die verstanden hat, dass die Prinzipien von 1874 – Komposition, Struktur, Musterdenken – zeitlos sind. Sie zeigen sich heute nur in anderen Medien: statt Musterzeichnen ist es generative Gestaltung; statt Weberei ist es Interaction Design; statt Textilproduktion ist es Immersive Media.

Die School of Culture and Design bringt gestalterische Studiengänge wie Kommunikationsdesign, Industrial Design, Game Design, Modedesign, Museologie und Bekleidungstechnik auf einem Campus zusammen. Hier entstehen gemeinsame Projekte in zahlreichen interdisziplinären Projekten. Darüber hinaus kooperiert der Studiengang eng mit Studiengängen aus den Bereichen Informatik und Ingenieurwissenschaften – bei Physical Computing, KI-gestützter Interaktion und smarten Systemen – und macht Design zur treibenden Kraft technologischer Innovation.
Die Werkschau im Sommer ist die zentrale Veranstaltung des Fachbereichs: Alle Studiengänge präsentieren ihre Projekte und Modedesign schließt die Jahresausstellung mit einer großen Modenschau am letzten Abend ab.
Die tiefere Botschaft: Kontinuität der Gestaltung
Wer hier studiert, wird Teil einer 150 Jahre langen Tradition von Gestalterinnen und Gestaltern. Die Fachschule von 1874, die Textilschule von 1919, die Ingenieurschule der DDR, die plurale Designschule von 1994 – all das lebt in diesem Fachbereich und Studiengang weiter.
Aber nicht als Reliquie – sondern als aktive Praxis. Die Prinzipien, die 1874 unter dem Namen "Dekomponieren, Komponieren, Musterzeichnen" formuliert wurden, sind zeitlos. Sie zeigen sich heute in generativer Gestaltung, in Interaktionsgestaltung, in der Art wie Interaktionen strukturiert wird, wie durch Code Design erschaffen wird oder wie Räume erlebbar werden.
Die Hallen der AEG, wo Peter Behrens lehrte, dass Design nicht Luxus ist, sondern ein Werkzeug, um die Moderne lebenswert zu machen, ist der Ort an dem die Studierenden ihre und unsere Zukunft gestalten.
